Fütterung der Terrarientiere

Um die Pfleglinge bei optimaler Gesundheit zu erhalten ist eine art- und tiergerechte Fütterung unumgänglich. Nur so können Mangelerscheinungen (z. B. Rachitis) oder haltungsbedingte Erkrankungen (Fettleber, Nierengicht) verhindert werden. Wichtig für die richtige Nahrungszusammensetzung ist es, die natürlichen Nahrungsgewohnheiten der Tiere zu kennen.

Viele Allesfresser oder Opportunisten fressen im Terrarium besonders gerne Futtersorten, die sie in freier Natur nur sehr selten oder lediglich zu bestimmten Jahreszeiten finden. So fressen einige Pflanzenfresser durchaus auch lebende Futtertiere. Reicht man Terrarienpfleglingen gar völlig untypische Nahrungsmittel wie z. B. in Milch eingeweichtes Toastbrot, gekochte Nudeln, Hackfleisch oder Katzenfutter werden sicherlich erstaunlich viele diese auch gierig verschlingen. Allerdings ist nicht alles, was die Pfleglinge gerne fressen, auch ihrer Gesundheit dienlich. Grüne Leguane fressen im Urwald ja nicht nur darum kein Katzenfutter weil sie die Dosen so schlecht aufbekommen, sondern weil es dort schlichtweg keines gibt. Denn nur aus Bequemlichkeit oder übertriebener Vorsorge gleich nachgeben und den Tieren wieder deren Lieblingsspeise zu geben (das frisst er halt so gern) ist der falsche Weg.

Wie oft füttern?

Diese Frage ist nicht einfach pauschal zu beantworten. Denn je nach Tierart können sich die Futtermenge pro Mahlzeit sowie die Intervalle zwischen den Fütterungen beträchtlich unterscheiden. Natürlich benötigen Jungtiere in den ersten Wochen meist tägliche Futtergaben, während Erwachsene durchaus nur 2–3 Mal wöchentlich gefüttert werden müssen. Schlangen benötigen je nach Alter nur in sehr großen Abständen Futter, während die kleinen, bunten Blatt- und Baumsteigerfrösche (Dendrobatiden) schon nach wenigen Tagen Hungerns ernsthafte Probleme bekommen. Auch die dargebotene Futtermenge muss den jeweiligen Pfleglingen angemessen sein. Viele Tiere fressen auf Vorrat in Erwartung der in ihren Herkunftsgebieten jährlich auftretenden Trockenzeiten mit magerem Nahrungsangebot. Sie wissen natürlich nicht, dass ihnen im Terrarium keine Mangelzeiten bevorstehen und hören deshalb auch nicht auf, auf Vorrat zu fressen, wenn ihnen der Pfleger ständig weiter überreichlich Futter gibt. So sind Wüstentiere meist weitaus stärker von Verfettung bedroht als Regenwaldtiere. Überfütterte Tiere werden träge, ihre Geschlechtsorgane können verfetten und sie dadurch steril werden, oder sie sterben gar durch Organversagen, z. B. wenn die Leber ihren Dienst einstellt, weil zu viel Fett eingelagert wurde.

Futter für „Tierfresser“

Die meisten Terrarientiere sind sogenannte „Tierfresser“, weil sie ganze, lebende Tiere fressen. Da sie auf bestimmte Reize, wie z. B. auf Bewegung der Futtertiere oder bei Schlangen oft die Wärme der als Beute dienenden Kleinsäuger oder Vögel „programmiert“ sind, sind sie mit wenigen Ausnahmen kaum an so genanntes Ersatzfutter zu gewöhnen. Bei Schlangen gelingt es oft, sie auf tote Beutetiere umzustellen, wenn man diese vor der Verfütterung wieder auf 37–40 °C erwärmt (Mikrowelle).

Heute bietet der Zoofachhandel eine breite Palette an Lebendfuttertieren, z. B. Kleinsäuger, Heuschrecken, Schaben, Grillen, Heimchen, Fliegen, Obstfliegen, Springschwänze, Würmer, Mückenlarven, Wachsmaden oder Krebstiere. Dennoch ist dies im Vergleich zur reichhaltigen Auswahl in freier Natur ein sehr bescheidenes Angebot. Um Mangelzustände zu vermeiden, sollten immer wieder andere Futtertierarten gekauft werden anstatt nur eine einzige Art. Schließlich sollten die gekauften Futtertiere noch vor ihrer Verfütterung durch hochwertige Futtermittelgaben ihrerseits veredelt werden. Dazu werden sie etwa zwei Wochen lang mit hochwertigen Futtermischungen, z. B. JBL TerraCrick , Kleie, Kräuter, Obst, Gemüse, Mineralstoffen versorgt und damit „gefüllt“, was ihren Nährwert deutlich verbessert. Achtung: Futtertieren ist von außen ihr Nährwert NICHT anzusehen! Denn die Kräuter, Mineralien und Ballaststoffe, die eine Grille noch kurz vor ihrer Verfütterung aufnimmt, frisst ein „Fleischfresser“, der vegetarische Futtermittel überhaupt nicht anschaut, mit dem „gefüllten“ Insekt natürlich indirekt mit. Wer Futtertiere nicht anfassen und beim „Zubeißen“ der Terrarientiere die Finger aus der Gefahrenzone entfernen möchte, kann Futtertiere einfach und sicher mit einer langen Pinzette reichen ( JBL ProScape Tool P straight oder JBL ProScape Tool P slim line ).

Im Sommer besteht noch die Möglichkeit, den Speisezettel von Insektenfressern durch selbst gefangenes Wiesenplankton vorteilhaft zu erweitern. Der Fang auf intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen, etwa sogar nach der Ausbringung von Herbiziden o. ä. sollte natürlich unterbleiben. Ebenfalls sollten geschützte Insekten wieder freigelassen werden. Das vorherige Einholen der Erlaubnis beim Grundstückseigner kann Ärger ersparen.

Futter für Vegetarier

Pfleglinge die sich ganz oder überwiegend vegetarisch ernähren, z. B. Grüne Leguane, Chuckwallas oder europäische Landschildkröten sind auch im Terrarium mit Wiesenkräutern (u. a. Löwenzahn, Klee, Spitzwegerich) verschiedenen Salaten und Keimlingen, zerkleinertem Gemüse oder auch getrockneten Kräutermischungen oder Stroh- und Luzernepresslingen zu versorgen. Mit JBL Iguvert für Leguane und JBL Agivert sowie JBL Herbil NEU für Landschildkröten bietet JBL drei hochwertige Fertigfutter für vegetarische Terrarientiere. Diese Futter enthalten bewusst nur pflanzliche Zutaten mit hohem Fasergehalt und wenig Protein. Dornschwanzagamen können zudem auch diverse Samen, z. B. aus dem Vogelfutterregal, angeboten werden. Generell benötigen ausgeprägte Pflanzenfresser, um gesund zu bleiben, proteinarme, faser- und ballaststoffreiche Futtermittel.

© 10.09.2017
Heiko Blessin
Heiko Blessin
Dipl.-Biologe
JBL GmbH & Co. KG

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