4. Internationale L-Wels-Tage 2015: Ohne Plan in den L-Wels-Wahn

Im meinJBL Blog kommen nicht nur die JBL Experten zu Wort. In der Zukunft werden befreundete Blogger und Experten zu speziellen Themen ihre Erfahrungen mit Ihnen hier auf dieser Plattform teilen. Den Startschuss legt Julien Preuß, der als Experte für Biotopaquaristik ( http://www.biotopaquaristik.de/ ) in der deutschen Szene bekannt ist:

Anfang des Jahres 2015 trat die Firma JBL an mich heran, ob ich nicht Lust hätte die 4. Internationalen L-Wels-Tage zu besuchen. Das Thema L-Welse habe ich eigentlich immer etwas stiefmütterlich behandelt, und mein Bestand beschränkte sich lediglich auf einige Peckoltia und Ancistrus. Aus diesem Grund wäre ich ohne die Unterstützung von JBL nicht auf die Idee gekommen teilzunehmen.

Unter den gegebenen Umständen sagte ich natürlich zu, denn mir als Aquarianer kam die Möglichkeit, die L-Wels-Tage zu besuchen, sehr entgegen. Eines der schönsten Dinge an dem Hobby Aquaristik ist ja, dass man nie aufhört Neues zu lernen.

Der erste Tag der L-Wels-Tage begann mit einem reichhaltigen Frühstück und dem Treffen der Fahrgemeinschaft. Nach einem starken Kaffee ging es dann auch schon los in Richtung Panta Rhei, dem ersten Zwischenstopp an diesem Wochenende. Bei der Bewunderung der Schau- und Verkaufsaquarien wurde mir eine Schwäche besonders klar: Die L-Nummern. Dank Internetsuche konnte ich mich etwas verständigen, allerdings leidet der Gesprächsfluss sehr unter der gleichzeitigen Benutzung des Smartphones…

Endlich der erste Vortrag: Leandro Sousa über den Rio Xingu in der Zeit des Staudammbaus. Die Vorfreude auf diesen Vortrag verwandelte sich währenddessen in eine mittelschwere Depression aufgrund der massiven Einflüsse des Staudammprojekts auf die Natur. Vor allem der Xingu-Abschnitt zwischen Altamira und Belo Monte wird durch den Staudamm in einem solchem Maße gestört, dass wenig Hoffnung für einige Arten besteht. Besonders gefährdet ist Hypancistrus sp. „L 174“, welcher ausschließlich in diesem Bereich des Rio Xingu vorkommt.

Nach einem solchen Vortrag war der nächste Programmpunkt natürlich weitaus erfreulicher: Gemütliches Beisammensein mit Diskussionsrunde.

Am Samstag ging es, nach dem Frühstück, in die Welt der holzfressenden Harnischwelse der Gattungen Panaqolus, Panaque und Cochliodon. Bei diesem Thema darf selbstverständlich ein Vortrag von Andreas Tanke nicht fehlen. Er präsentierte zusammen mit Ingo Seidel einen sehr interessanten Beitrag über seine Lieblinge. Passend dazu gab es gleich im Anschluss eine Übersicht der Gattung Panaqolus von Leandro Sousa und Christian Cramer. Aus dieser Welsgruppe war mir im Vorfeld eigentlich nur Panaqolus sp. aff. maccus „L 448“ bekannt, und ich konnte sehr viele Arten für mich neu entdecken.

Nach einer wohlverdienten Kaffeepause wurde es wissenschaftlich sehr anspruchsvoll mit den Vorträgen von Nathan Lujan über die Ichthyo-Fauna der Anden und seinen Reisen zum Guyana Schild. Bei dieser Informationsflut ist mir ein Wort im Gedächtnis geblieben – Chaetostoma. Die Gebirgsharnischwelse bestechen durch ihr außergewöhnlich breites Maul, mit dem sie Algen vom Substrat abweiden, meist natürlich flache Steine in starker Strömung. Aufgrund der niedrigen Temperaturen und ihrer Erscheinung stellen sie sehr interessante Pfleglinge dar.

Passend zu den Vorträgen von Nathan Lujan gestaltete sich der letzte Programmpunkt für diesen Tag. Bei der Podiumsdiskussion „Hobby goes Science“ ging es um die Frage, in welcher Form der Aquarianer und der Wissenschaftler zusammenarbeiten können. Das Ergebnis dieser Diskussion überraschte mich persönlich wenig, da ich in anderen Bereichen auf ähnliche Probleme gestoßen bin. Zwischen Aquarianern und Wissenschaftlern herrschen oft Ressentiments, welche nur durch ein Umdenken beider Seiten aus der Welt geschafft werden können. Die IG BSSW leitet diesen wichtigen Schritt zumindest in der Welsszene meiner Meinung nach mit eben solchen Veranstaltungen ein. Der letzte Tag der Veranstaltung war im Vergleich, vor allem zum Samstag, sehr praxisorientiert: Die Züchtervorträge.

Besonders interessant für mich war der Vortrag von Markus Kaluza über die Vermehrung von Pseudacanthicus pitanga „L 24“, da ich seine Anlage bereits besuchen durfte und die Tiere der Fotodokumentation bereits live gesehen habe. Die fast schon industrielle Vermehrung von Hypancistrus zebra „L 46“ durch Rajanta S. Rahardja hat mich auch sehr beeindruckt.

Die 4. Internationalen L-Wels-Tage werden mir definitiv im Gedächtnis bleiben. Ein Erlebniswochenende für Aquarianer, das durch interessante Vorträge höchster Qualität und eine nahezu perfekte Organisation geglänzt hat. Besonders dankbar bin ich für die Gelegenheit, sehr viele Aquarianer kennen zu lernen und auch neue Freunde zu gewinnen. Nach genau einem Monat nach den L-Wels-Tagen ist mein Bestand an Harnischwelsen von 2 bereits auf 8 Arten der verschiedensten Gattungen gestiegen und der Wels-Wahn hat mich gepackt.

© 08.12.2015
Matthias Wiesensee
Matthias Wiesensee
M.Sc. Wirtschaftsinformatik
JBL GmbH & Co. KG

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