Wie kam JBL auf die Idee von PlanktonPur?

Hallo Nils, vielen Dank, dass Sie für ein Interview zur Verfügung stehen. Ich bin Biologe und leite die JBL Forschungsexpeditionen. Wir haben einige Fragen zum Thema JBL PlanktonPur an Sie:

Bitte stellen Sie sich kurz vor

Hallo Heiko. Ich heiße Nils und leite ein norwegisches Unternehmen, das sich mit dem Thema Plankton auseinandersetzt. Meinen wissenschaftlichen Hintergrund erwarb ich an der Universität der Wissenschaften und Technologien in Norwegen, wo ich auch meinen Doktor in Meeresbiologie machte und später als Wissenschaftler arbeitete. Mein Fachgebiet ist das Nahrungsnetz des Zooplanktons im Meer.

Wie sind Sie mit dem Thema JBL PlanktonPur involviert?

Ich habe zusammen mit dem Forschungs- und Entwicklungsteam von JBL ein Zooplankton-Futter in höchster Qualität entwickelt, das Aquarianern für Zierfische in verbraucherfreundlichen Verpackungen angeboten werden kann. Die Entwicklung der optimalen Zusammensetzung des Zooplanktons und die Auswahl der Verpackung zum Erhalt der Qualität dauerten mehrere Jahre.

Warum ist dieses neue Planktonfutter von JBL so etwas Besonderes?

Es ist allgemein bekannt, dass Zooplankton aus dem Meer, und besonders Ruderfußkrebse, ein Nährwertprofil haben, das die allgemeinen Ernährungsbedürfnisse von wasserlebenden Organismen erfüllt. Zooplankton aus hohen Breiten hat einen signifkant höheren Anteil an essentiellen Fettsäuren gebunden in Phospholipiden, welche vorteilhaft und positiv für die meisten Wasserorganismen sind. Wir haben Methoden entwickelt, um den Rohstoff des Zooplanktons zu verarbeiten, ohne dass die Nährstoffzusammensetzung und hochwertige Fettsäuren beschädigt werden. Der Nährwert weicht nur geringfügig vom frischen, im Meer gefangenen Zooplankton ab.

Wie ist man auf die Idee gekommen, dieses Planktonfutter für die Aquaristik zu nutzen?

Unsere grundlegende Idee war, das Plankton für juvenile Stadien von Meeresfischen in der Aquakultur zu nutzen. Wir haben festgestellt, dass kein anderes Futter eine ähnliche hervorragende ernährungsphysiologische Qualität hat wie unseres, was sich im Ergebnis bezogen auf die Fischlarven in deren Entwicklung, dem Überleben und der allgemeinen Gesundheit widerspiegelt. In den letzten Jahren haben Aquarianer JBL PlanktonPur an einer Vielzahl von Zierfischarten, im Süß- und Meerwasser, erfolgreich ausprobiert. Die Aquarianer haben die bessere Pigmentierung und das gesteigerte Wohlbefinden der Tiere beschrieben. Darüber hinaus handelt es sich um ein steriles und sauberes Futter, im Gegensatz zu verschiedenen Arten von Frostfutter, welches in den Fachgeschäften zu erwerben ist. Es enthält keine unerwünschten Dinge wie gelöste Nährstoffe (keine oder vernachlässigbare Phosphate oder Nitrate) oder pathogene Mikroorganismen, die potenziell einen negativen Einfluss auf die Wasserqualität im Aquarium haben.

Kann das Plankton das ganze Jahr über gefangen werden oder ist es ein saisonales Produkt?

Das Zooplankton wird in verschiedenen Jahreszeiten über das Jahr hinweg gefangen. Große Ruderfußkrebse werden typischerweise im Frühling und Herbst geerntet, wohingegen kleines Zooplankton von Juni bis Oktober geerntet wird. In den Wintermonaten ist die Primärproduktion im Meer am niedrigsten, und damit auch das Vorhandensein von Zooplankton. Dadurch ergibt sich, dass wir Zooplankton nur zwischen den Monaten April und Oktober ernten können und nicht im Winter.

Muss man sich Sorgen machen, dass jetzt die Meere leer gefischt werden?

Ich promovierte über dieses Thema und bin davon überzeugt, dass unser Fanganteil keinen Effekt auf die Nachhaltigkeit von Zooplankton hat. Zooplankton und besonders marine Copepoden werden als die größte Bio-Ressource von mehrzelligen Lebewesen weltweit angenommen. Weltweit gesehen übertreffen Copepoden sogar die Menge der Insekten. Das Institut für Meeresforschung in Norwegen schätzt die Produktion von Zooplankton in norwegischen Gewässern auf 500 bis 1000 Millionen Tonnen pro Jahr. Bedenkt man, dass die Anlandung der Fischerei weltweit inkl. der Aquakulturen 140 Millionen Tonnen pro Jahr betragen, ist es einfach zu verstehen, dass der Bestand an Zooplankton eine gewaltige Bio-Ressource darstellt. Zooplankton, wie Copepoden, hat eine typische Generationszeit von ungefähr einem Monat in Kaltwasserregionen, und dadurch kann sich der Bestand nach einem großem Fang oder Ernte schnell erholen. Zooplankton könnte möglicherweise die Nachfrage an Proteinen und Fetten für die weltweit wachsende Bevölkerung, die auf 7 bis 9 Milliarden Menschen in den nächsten 20-30 Jahren geschätzt wird, decken. Wir sollten eine vorsorgliche Herangehensweise zum Management des Zooplanktonbestandes weiter verfolgen und das forschungsbasierte Management zum Erhalt eines gesunden Ökosystems betreiben.

Wie ist der genaue Ablauf, nachdem das Plankton mit speziellen Planktonnetzen gefangen wurde?

Wir haben einige Fangtechniken, aber unsere Hauptinnovation ist die Nutzung von passiven Planktonfallen. Das ist eine sehr umweltfreundliche Methode zum Fangen von Plankton und benötigt nur einen geringen Anteil an fossilen Treibstoffen und eine vernachlässigbare CO2 Emission.

Wie schaffen Sie es, das Plankton ohne Konservierungsmittel haltbar zu machen?

Wenn wir das Plankton verarbeiten, verwenden wir eine Schnellsterilisation, bei der, bei sehr hohen Temperaturen, alle Bakteriensporen getötet werden. Weil das Plankton in einer laminierten Aluminiumfolie mit einer Barriere für Mikroorganismen und Sauerstoff laminiert wird, gibt es keinen Grund, unnötig weitere Stoffe zum Haltbarmachen einzusetzen.

© 29.02.2016
Heiko Blessin
Heiko Blessin
Dipl.-Biologe
JBL GmbH & Co. KG

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