Expedition Japan

JBL Expedition Japan 2019

JBL Expedition Japan 2019

Die Geheimnisse der Koizüchter bei Nagaoka

Eine gewisse Menge Sake überwindet zwar jegliche Sprachbarrieren, bringt aber auch nichts, wenn sich beide Parteien am nächsten Morgen an nichts erinnern können. Zum Leidwesen der Japaner trinkt der Expeditionsleiter Heiko Blessin zudem keinen Alkohol (nein, er ist kein Ex-Alkoholiker sondern mag einfach keinen Alkohol).

Aber über die vergangenen Jahre hat sich auch ohne Sake ein sehr freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und einige der Koizüchter arbeiten eng mit der JBL Forschungsabteilung im Bezug auf Koiernährung und Wassertests zusammen.

Erst durch die Freundschaft war es möglich, an einige Informationen zu kommen und mit Wassertest-Equipment an die Naturteiche zu gehen oder das Wasser der Indoor-Hälterung zu analysieren. Man darf nicht vergessen, dass der monetären Wert der Koi den vergleichbaren Wert der ausgestellten Autos einer Porsche-Vertretung bei weitem übertrifft! Somit darf man nicht einfach an die Teiche gehen oder den Teichen Wasser entnehmen. Man könnte ja auch Keime übertragen!

Zum Thema Ernährung der Koi war interessant, dass wegen der Futtermenge die jungen Koi bis zu einem Jahr kein sehr hochwertiges Futter erhalten. Erst danach und der erfolgten neuen Selektion wird auf qualitativ hochwertiges und damit teures Futter umgestellt. Und dann wird auch JBL PROPOND Koifutter gefüttert.

Wassermessungen bei den Koizüchtern

Uns interessierten die Wasserwerte der Naturteiche, die Mud-Ponds genannt werden (mud = engl. Schlamm) ebenso wie die Wasserwerte der Porsche Halle, also der Koiteiche in den Innenanlagen. Durch unseren Freund Martin Symonds von Japan Koi Export hatten wir sogar Zugang zu den Koi, wenn der Züchter selbst außer Haus war.

Manabu Yamazaki von der Yamasan Koi Farm war am meisten an den Sauerstoffwerten interessiert. Wie sehr viele andere hat er festgestellt, dass die praktischen Sauerstoffelektroden sehr anfällig sind und nur kurz halten. Den JBL Sauerstofftest fand er großartig. Wir werden ihm aus Deutschland ein paar Tests zusenden!

Bei Meister Kaneko wurden in drei Indoorponds folgende Werte ermittelt:

Leitwert: GH: KH: pH:
922 µS/cm 15 5 7,4
921 µS/cm 15 5 7,4
914 µS/cm 15 5 7,4

Die unterschiedlichen Leitfähigkeiten zeigen an, dass die Wasserbelastung in zwei der drei Behälter etwas angestiegen war. Die Leitfähigkeit zeigt nur quantitativ einen Anstieg der elektrischen Leitfähigkeit auf Grund der vorhandenen Salze (Ionen) an, unabhängig von deren Zusammensetzung. Hier werden Nitrate und Phosphate die Ursache sein. Die relativ hohen Leitfähigkeiten zeigen aber auch an, dass hier Salz (Kochsalz, Teichsalz) im Spiel ist. Meersalz kann es nicht sein, da dann die wäre die GH und die KH deutlich höher. Nur das Natrium im Kochsalz wird weder von der GH, noch von der KH erfasst!

Auf der Yamamatsu-Koi Farm konnten folgende Werte gemessen werden:

Wassertemperatur (Oberfläche Leitwert: GH: KH: pH:
18,1 °C 151 µS/cm 2 2 7

Der niedrige Leitwert zeigt deutlich, dass nicht aufgesalzen wurde. Das Wasser war relativ frisch aus dem nahegelegenen Gebirgsbach und zeigte daher so niedrige Härtegrade.

Die niedrigen pH-Werte sind nicht überraschend. Bei den recht niedrigen Karbonathärtewerten (2-5 °dKH) ist der pH-Wert kaum stabilisiert und kann durch Wasserbelastung wie z. B. Nitrate leicht sinken. Alle Messungen wurden vormittags durchgeführt und es wäre interessant, die pH-Werte auch einmal abends zu messen.

In den Naturteichen wurde gemessen:

Wassertemperatur (Oberfläche) Leitwert: GH: KH: pH:
19,8 °C 92 µS/cm 1 1 8,2
19,6 °C 89 µS/cm 0 0,5 7
19,3 °C 115 µS/cm 1 1,5 8

Das Verhältnis von GH/KH und Leitfähigkeit zeigt an, dass Calcium und Magnesium kaum vorhanden sind und daher andere Salze die Leitfähigkeit beeinflussen. Die verschiedenen pH-Werte hatten wir schon beim Betrachten der Mud Ponds vermutet. Die höheren pH-Werte waren immer dann zu finden, wenn Algen im Wasser zu sehen waren. Die Algen entziehen dem Wasser CO2, indirekt also Kohlensäure. Wenn dem Wasser Säure entzogen wird, steigt der pH-Wert. Ganz einfach!

Die Koizüchter im Raum Nagaoka-Ojiya leben fast alle in den Bergen. Ehemalige Reisterrassen wurden zu Koiteichen umfunktioniert und während des Chuetsu-Erdbebens 2004 zu großen Teilen zerstört. In einem Museum in Ojiya werden Fotos, Filme und eine 3D Simulation des Erdbebens mit einer Stärke von 6,4 gezeigt, die die verheerenden Folgen für die Menschen (und Koi) der Region eindringlich zeigen. Unser Freund Martin Symonds war damals an den Rettungsarbeiten beteiligt und fand sich auf einigen Fotos wieder.

32 wissbegierige auf der JBL Expedition 2019 in Japan

Das Tauchschiff bei Ishigaki war bei dieser Expedition der limitierende Faktor für die maximale Teilnehmerzahl. Der japanische Besitzer des Schiffes wollte nur maximal 15 Taucher zulassen. Letztendlich waren wir 17 Gerätetaucher und 15 Schnorchler, die auf einem anderen Boot unterwegs waren.

Hier ein Foto aller Teilnehmer zusammen mit dem Koizüchter Yasuaki Kaneko:

Mit dabei waren: von links nach rechts: Uwe Hartmann, Thomas Krause, Norbert & Anke Kressin, Michael Schmölzing, Prof. Christian Steinberg, Christian Oswald, Maik Figura, Sebastian Gemmecke, Stefan Lekon, Christina Schmölzing, Alexander Stroba, Claudia Voss, Jörg Koroll, Anke Morbitzer, Roland Böhme, Silke Figura, Nick Schenk, Justus Böhme, Anna Piesik, Andreas Geisler, Yasuaki Kaneko, Thomas Pazurek, Heiko Blessin, Robin Geisler, Piotr Piesik, Dr. Ludwig Neurohr, Astrid Christ, Maxence Jambon, Manon Tanguy, Vincent Montagnier, Benoit Jadot, Didier Lergenmuller

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