Mit 300 km/h zum JBL Seminar in Süd-Taiwan

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne schnell fahre. Aber die 300 km/h waren es diesmal nicht auf der Straße, sondern mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Taipeh nach Kaohsiung im Süden Taiwans. Der Ort ist für uns Naturfreunde durch sein Schauaquarium mit Walhaien bekannt geworden. Ich bin zwar eigentlich ein Befürworter von öffentlichen Aquarien, aber gerade die asiatischen Großaquarien lassen mich manchmal etwas nachdenklich werden. Denn obwohl Millionen von Asiaten die Haie und Walhaie in den Aquarien bestaunen, findet der Gedankensprung zum Haischutz leider nicht statt. Haifischflossensuppe ist nach wie vor die Ursache Nr. für das Abschlachten von etwa 100.000.000 Haie jährlich!

Das Zugfahren in Japan und Taiwan ist ein echtes Erlebnis. Nicht wegen der 300 km/h Höchstgeschwindigkeit, sondern wegen der Pünktlichkeit der Züge. Unglaublich: Man kann tatsächlich den Tag mit Hin- und Rückfahrt auf die Minute genau planen. In Deutschland undenkbar. Die Züge in Japan haben eine durchschnittliche Verspätung von 2 Minuten- im Jahr!!! Warum schicken wir die Deutsche Bahn Mitarbeiter nicht einmal als Azubis nach Japan? Vermutlich, weil sie zu spät mit der Bahn am Flughafen ankommen würden und ihren Flug verpassen.

Unser JBL Importeur hatte in Taiwan zwei Seminare geplant: Eines in Taipeh und eines in Kaohsiung. Hauptinteresse galt den Ergebnissen unserer JBL Forschungsexpeditionen und was wir für die Aquaristik daraus lernen können. Biotopaquaristik ist in Asien ein großes Thema und so waren die Seminarteilnehmer sehr daran interessiert, Unterwasserbilder aus verschiedenen Lebensräumen zu sehen und dann die Erklärungen, wie man diese Biotope von der Wasserchemie und der Einrichtung im Aquarium nachgestalten kann. Das machte richtig Spaß! Viele Teilnehmer waren der Meinung, dass sie gerne ein echtes Amazonas-Aquarium einrichten möchten. Aber Unterwasserbilder aus dem Weißwasser des Amazonas machten schnell klar, dass genau so ein Aquarium niemand möchte. Es sieht eher nach einer bakteriellen Trübung, als nach einem Amazonas aus. Interessanter ist da das Thema Schwarzwasser, wie z. B. aus dem Rio Negro. Der pH-Wert dort ist allerdings 4 bis 4,5 bei fehlender Karbonat- und Gesamthärte. Das Wasser wäre also sehr instabil und auch nur für Fische wie den Roten Neon geeignet, die in diesem lebensfeindlichen Biotop leben können. Mit JBL Tropol kann jeder Aquarianer das sehr klare „Schwarzwasser“ der Flüsse gut nachmachen, ohne eine braune Suppe im Aquarium zu haben.

Es waren zwei schöne Seminartage in Taiwan und ich genoss abendliche Spaziergänge durch Taipeh. Tempelanlagen und Nachtmärkte waren geöffnet und meist voller Leben. Ein Highlight war für mich das Zusehen beim Kendo-Training. Nach über zwanzig Jahren Kampfsport ist so etwas ein echtes Erlebnis. Und dann ging es früh morgens auch schon wieder weiter nach Japan…

Blog 2019: Taiwan

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© 08.03.2019

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Heiko Blessin
Heiko Blessin
Dipl.-Biologe

Tauchen, Fotografie, Aquaristik, Haie, Motorrad

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