Das Märchen von der flüssigen CO2-Düngung – Der Stoff

Im ersten Teil der Beitragsserie „ Das Märchen von der flüssigen CO2-Düngung “ befassen wir uns mit dem Wirkstoff, der als flüssiges CO2 angepriesenen Produkte.

Kohlendioxid ist die Nahrungsgrundlage für Wasserpflanzen, die durch Mikro- und Makronährstoffe und dem Licht ergänzt werden. Für einen prächtigen Pflanzenwuchs im Aquarium ist die Balance zwischen allen Elementen erforderlich. Weitere Details finden Sie im Beitrag: Wieso ist Kohlendioxid (CO2) der wichtigste Pflanzennährstoff im Aquarium?

Enthalten Produkte, die als „flüssiger Kohlenstoff“ beworben werden, Kohlenstoff oder Kohlendioxid?

Nein, denn Kohlenstoff ist bei durchschnittlichen Umgebungsbedingungen (20 °C, 1 bar Luftdruck) ein Feststoff (Graphit, Diamant). Kohlendioxid hingegen ist bei diesen Bedingungen ein Gas und liegt in flüssiger Form nur in Druckgasflaschen (50 bar) vor. Insofern können derartig beworbene Produkte weder Kohlenstoff als Element noch Kohlendioxid in flüssiger Form enthalten.

Was enthalten derartig beworbene Produkte, die „flüssigen Kohlenstoff“ für das Aquarium versprechen?

Ein einfacher Test mit einem solchen Produkt ergibt als enthaltenen Wirkstoff Glutaraldehyd (Abk. Glutaral) in einer Konzentration von etwa 4 %, wie das Foto zeigt. Die meist üblichen Konzentrationen in Produkten, die daraufhin getestet wurden, liegen zwischen 1 % und 4 % Glutaraldehyd.

Was ist „Glutaraldehyd“?

Glutaraldehyd ist Desinfektionsmittel und wird industriell in verschiedenen Bereichen eingesetzt, aber auch beispielsweise in der Medizin zur Gerätedesinfektion beispielsweise in Zahnarztpraxen. In den zuvor genannten Konzentrationen ist Glutaraldehyd ein gefährlicher Stoff, der nach EU Richtlinien entsprechend zu kennzeichnen ist.

Bzgl. der Verwendung kann auf den ausführlichen Artikel bei Wikipedia verwiesen werden: https://de.wikipedia.org/wiki/Glutaraldehyd

  1. • Zur Desinfektion von Gerätschaften im medizinischen Bereich,
  2. • Wasseraufbereitung für industrielle Zwecke, zum Beispiel im Fracking,
  3. • Zur Desinfektion von Industrieanlagen,
  4. • In Reinigungsmitteln zur Flächendesinfektion,
  5. • Als Konservierungsmittel,
  6. • Zur Gerbung von Leder,
  7. • Zur Fixierung von Gewebeproben in der Mikroskopie ,
  8. • Zur Quervernetzung von Proteinen. Ziel ist die Erhöhung der
  9. mechanischen und thermischen Stabilität und eine Verringerung der Selbstzersetzung,
  10. • Als Pflanzendünger in der Aquaristik.

Besonders wichtig in der Auflistung der Verwendungen von Glutaraldehyd, auch in Hinblick auf die Wirkungen im Aquarium, ist die Quervernetzung von Proteinen.

Mehr dazu finden Sie im 2. Teil der Beitragsserie: Das Märchen von der flüssigen CO2-Düngung – Die Wirkung

© 27.06.2016
Ralf Rombach
Ralf Rombach
Dr. rer. nat.
JBL GmbH & Co. KG

Forschung & Entwicklung, Wasserpflege, Biozide, Düngung, Aquaristik, Gartenteich

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