Teichfilter: Kostspielige Show oder unentbehrliche Hilfe?

Klein, groß, preiswert bis unerschwinglich, mit und ohne Extras. Die Beschreibung von Teichfiltern klingt wie der Vergleich vom Fiat 500 mit einem Porsche Turbo S. Nur leider können wir einen Teichfilter selten Probefahren und uns von den Qualitäten überzeugen lassen, genau wie beim 250.000,- € Porsche Turbo. Das ist eigentlich sehr schade, denn schon nach wenigen Tagen wird klar, ob der Filter etwas taugt oder man es unter „Verlust“ ausbuchen sollte.

Machen wir doch erst einmal eine lange Liste, was wir vom Teichfilter erwarten: 

  1. Klares, sauberes Wasser

Ende der Liste

Unsere Erwartungshaltung ist somit kurz und präzise formuliert. Da viele Teichfilter aber bereits dieses Klassenziel nicht erreichen, scheint es doch nicht so einfach zu sein. Was ist denn überhaupt klares Wasser? Hier scheiden sich die Meinungen wie bei „sauber“ und „rein“. Einige Teichbesitzer sind überglücklich, wenn sie ihre Fische grob erkennen, andere wollen auf dem 1,80 m tiefen Boden genau sehen, was dort herumliegt. 

Ein UV-C Wasserklärer (z.B.  JBL PROCRISTAL UV-C Compact plus 11 W schafft schnelle und zuverlässige Abhilfe: Seine UV-C Strahlung im Bereich zwischen 200 und 280 nm durchdringt die Zellwand der Algen und tötet die Algen ab. Wichtig ist die Durchflussgeschwindigkeit des Wassers: Wird eine zu große Pumpe gewählt, kann die UV-Strahlung ihre Wirkung nicht richtig entfalten. Daher bitte unbedingt auf die empfohlene Pumpenleistung achten! Wenn der Filter HINTER den UV-C Wasserklärer geschaltet wird, werden die Algen vom Filter erfasst und können beim Reinigen des Filters aus dem Wassersystem entfernt werden. Ohne Nachfilterung gelangen die abgetöteten Algen wieder in den Teich und sinken auf den Boden, wo sie bakteriell abgebaut werden. Dies führt erneut zu Sauerstoffknappheit, da beim Abbau enorme Mengen an Sauerstoff von den Bakterien verbraucht werden. Außerdem werden in den Algen gebundene Nährstoffe (Phosphate & Nitrate) beim Abbau freigesetzt und decken den Tisch für die nächste Algengeneration. Daher ist eine Nährstofflimitierung durch einen Phosphatentferner (z. B.  JBL PhosEx Pond Filter nach einer Algenbekämpfung zu 100 % empfehlenswert. Außer Sie haben Spaß daran, die Algenbekämpfung auf Ihre wöchentliche To Do Liste zu schreiben.

Sollte Ihr Filter neu bestückt oder frisch eingebaut sein, schalten Sie bitte KEINEN UV-C Wasserklärer vor den Filter! Der UV-C Klärer würde eine Besiedelung des Filters durch nützliche, Schadstoff abbauende Bakterien verhindern. Nach etwa 4 Wochen Betrieb sollte jeder Filter soweit biologisch funktionieren, dass ein UV-C Wasserklärer davor geschaltet werden kann.

Zurück zum eigentlichen Filter: Ich könnte nun seitenweise verschiedene Filtersysteme von unzähligen Herstellern aufführen. Sie haben oft die Wahl zwischen Edelstahlbehältern und GFK (Glasfaser verstärkter Kunststoff). Profis sagen, dass der Unterschied nur im Preis läge. GFK kann ebenso haltbar sein, wie ein rostfreier Stahl, wenn die Wandstärke genügend dick ausgelegt wurde. 

Zwei Filterbauarten haben sich durchgesetzt: Vorfilter und Hauptfilter mit „Biofiltermaterial“ und Trommelfilter als Vorfilter mit oder ohne nachgeschaltetem Biofilter.

Da ich lieber am Teich sitze und die Fische beobachte, als Filter zu reinigen, bevorzuge ich die Trommelfilterversion. Das „schmutzige“ Teichwasser passiert eine Trommel mit einer Lochgröße von 40 – 70 µ und fließt weiter in einen Behälter mit Biofiltermaterial, auf dem schadstoffabbauende Bakterien siedeln, die unsichtbare Stoffe wie Stickstoffverbindungen (Ammonium und Nitrit) abbauen. Das Wasser wird somit mechanisch (Trommel) und biologisch (Biofilter) gereinigt. Durch den Schmutz setzt sich die Trommel immer stärker zu, so dass der Wasserstand steigt. Ab einem gewissen Niveau wird ein Spülen der Trommel in Gang gesetzt, wobei die Schmutzstoffe aus dem Wasserkreislauf entfernt werden. Perfekt für faule Menschen wie mich!

Auch die andere Variante mit einer Vorfilterkammer funktioniert prächtig – aber nur bei hyperaktiven Zeitgenossen, die immer nach Beschäftigung suchen. 

Das Entscheidende bei ALLEN Teichfiltern ist die richtige Größe. Nach Rücksprache mit einigen Teichprofis liegt hier die Hauptursache für trübe Teiche, denn praktisch jeder Teichfilter funktioniert, wenn er denn die richtige Größe für den Teich besitzt. Jetzt erwartet natürlich jeder eine klare Ansage: Ein 10.000 Liter Teich braucht einen xy Liter fassenden Filter mit einer xy cm Trommel. Und genau hier wird es individuell: Neben dem Teichvolumen spielen viele weitere Faktoren eine Rolle: Wie viele Fische leben in dem Teich? Wie viele Pflanzen und welche Pflanzen wurden eingesetzt (und noch nicht wieder aufgefressen)? Existiert eine Sumpfzone und wenn ja, wie groß?

Hier kommen wir wieder zum Autovergleich zurück: Ein Besuch beim freundlichen Porsche Händler ist ebenso empfehlenswert, wie beim professionellen Teich-Fachgeschäft, um die Erwartungen und Wünsche genau zu erfassen, zu analysieren und mit dem richtigen Gerät umzusetzen.

Interessant ist aber, dass in den USA, einem Land mit einer maximal erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h die meisten Porsche weltweit verkauft werden. Nicht jeder möchte also entspannt 330 km/h fahren, sondern das Gefühl, ein schönes Auto zu fahren, steht VOR der eigentlichen Leistung. Und da wären wir wieder bei einem Exklusiven Trommelfilter aus rostfreiem Stahl…

© 19.12.2021
Heiko Blessin
Heiko Blessin
Dipl.-Biologe

Tauchen, Fotografie, Aquaristik, Haie, Motorrad

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